Dieser Schock hat gesessen!
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich habe zwar in vielerlei Hinsicht einen dicken Pelz, aber diese Schafskälte dringt nur so durch jede erdenkliche Ritze und lässt einen frösteln. Merklich unterkühlt, ja fast erfroren, hatte ich heute morgen mein Büro betreten. Ich liebe es an meinem Arbeitsplatz immer wohlig warm, so 26,3 Grad ist eine ideale Temperatur.
Kurzum, beim Betreten meines Büros hatte es mir die Sicht verschlagen, und das nicht nur vor Schreck. Die von mir hoch geschätzten Consultanten haben Ihre Ankündigung wahr gemacht:
“Die einzelnen Arbeitsplätze müssen aus Effizienzgesichtspunkten neu gestaltet werden. Die bisherige Schreibtischorganisation führte dazu, dass der rechte Arm pro Tag eine unnötige Strecke von 20 Metern zurücklegt. Bei einer Armbewegungsgeschwindigkeit von 10cm/Sekunde macht das Ineffizienzen von 200 Sekunden am Tag, ca. 4.000 Sekunden im Monat und 44.000 Sekunden im Jahr aus. Das entspricht eineinhalb verschwendeter Arbeitstagen im Jahr!” [Quelle:"Analyse, Bewertung und Reorganisation der Ablaufprozesse im Amt zur Bewilligung von Dienstreisen. S.635. Abschnitt: Mitarbeiterarbeitsplatzgestaltung. Feb. 2006" ]
Ich hatte es ja schon seit Jahren befürchtet, heute ist die Androhung in die Tat umgesetzt worden. Ob meine Brille nun aufgrund der Temperaturunterschiede beschlug, oder ob das schon die ersten Stresssymptome waren, ich kann mich nicht mehr daran erinnern.
Fakt ist, dass die Herren von oben meinen heiligsten Ort nicht nur betreten, sondern schwerwiegende Eingriffe an meinem Arbeitsplatz vorgenommen haben. Jahrzehnte hatte ich benötigt, den Arbeitsplatz an meine Erfordernisse anzupassen.
So waren die Stapel Papier alle nach (m)einer Kategorisierung angelegt, die sich Dritten natürlich nicht sofort erschließt, aber meine Anwesenheit unentbehrlich machte. Ich will nicht wissen, wie viele Meter diese Organisation eingespart hatte, die Stapelhöhe war auf jeden Fall messbar.
Von diesem Schock werde ich mich erst einmal erholen müssen, mein Herz ist ja auch nicht mehr das pumpfreudigste. Also Hansemann, ab ins Wochenende mit dir, das hast du dir redlich verdient. Ich hoffe (vielmehr bin ich mir sicher und freue mich dennoch), dass ich am verrückten Montag, den 16.6.2008 wieder klarer sehe, und Ihnen meinen neuen Schreibtisch ohne Schleier präsentieren kann.
Ach, und nehmen Sie mir doch bitte noch dieses Musical vom Tisch, ich habe nächste Woche genug zu tun, um mich darauf zu konzentrieren, mich an meinem Arbeitsplatz wieder heimisch zu fühlen.
Hochachtungsvoll
Helmfried Hansemann




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